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Modigliani

Moderne Blicke
#ModiglianiBarberini

Was ich suche, ist weder Realität noch Irrealität, sondern das Unterbewusstsein, das instinktive Geheimnis des Menschen.

Amedeo Modigliani
 Photos aus dem Freundeskreis Modiglianis belegen, dass die Matrosenbluse ein beliebtes Kleidungsstück unter Künstlerinnen der Bohème war. So wurde sie von Nina Hamnett getragen, die berichtete, sie sei in den Kneipen am Montparnasse mit Seemannsliedern aufgetreten. 

Photos aus dem Freundeskreis Modiglianis belegen, dass die Matrosenbluse ein beliebtes Kleidungsstück unter Künstlerinnen der Bohème war. So wurde sie von Nina Hamnett getragen, die berichtete, sie sei in den Kneipen am Montparnasse mit Seemannsliedern aufgetreten. 

 Als eines der ersten Bilder in der Serie seiner Akte malte Amedeo Modigliani diesen  Sitzenden Akt . Die Dargestellte wirkt modern und unprätentiös – entsprechend dem neuen Schönheitsideal. 

Als eines der ersten Bilder in der Serie seiner Akte malte Amedeo Modigliani diesen Sitzenden Akt. Die Dargestellte wirkt modern und unprätentiös – entsprechend dem neuen Schönheitsideal. 

 Amedeo Modigliani um 1919

Amedeo Modigliani um 1919

Modigliani liebte die Poesie und urteilte ... mit Seele und einem geheimnisvollen Sensorium für das Feinsinnige und Abenteuerliche.

Galerist Paul Guillaume
 Der vom Künstler gewählte Titel  Die Jüdin  ist programmatisch: Amedeo Modigliani 
kam aus einem Elternhaus liberaler sephardischer Juden. Auch wenn er die Religion nicht lebte, bekannte er sich zu seiner Herkunft und verband mit ihr die Weltoffenheit seiner Heimatstadt Livorno. Das blaudominierte Werk orientiert sich an Picassos Arbeiten aus der Blauen Periode.
 Der vom Künstler gewählte Titel  Die Jüdin  ist programmatisch: Amedeo Modigliani 
kam aus einem Elternhaus liberaler sephardischer Juden. Auch wenn er die Religion nicht lebte, bekannte er sich zu seiner Herkunft und verband mit ihr die Weltoffenheit seiner Heimatstadt Livorno. Das blaudominierte Werk orientiert sich an Picassos Arbeiten aus der Blauen Periode.
„Dedo“ und die klugen Frauen
Jugend und Elternhaus
Erstes Kapitel
 Der vom Künstler gewählte Titel  Die Jüdin  ist programmatisch: Amedeo Modigliani 
kam aus einem Elternhaus liberaler sephardischer Juden. Auch wenn er die Religion nicht lebte, bekannte er sich zu seiner Herkunft und verband mit ihr die Weltoffenheit seiner Heimatstadt Livorno. Das blaudominierte Werk orientiert sich an Picassos Arbeiten aus der Blauen Periode.

Der vom Künstler gewählte Titel Die Jüdin ist programmatisch: Amedeo Modigliani
kam aus einem Elternhaus liberaler sephardischer Juden. Auch wenn er die Religion nicht lebte, bekannte er sich zu seiner Herkunft und verband mit ihr die Weltoffenheit seiner Heimatstadt Livorno. Das blaudominierte Werk orientiert sich an Picassos Arbeiten aus der Blauen Periode.

Exkurs: Lebenslanges Lungenleiden und Kunst als Lebenselixier
 Ein bisschen schnöselig wirkt Amedeo Modigliani bei seiner Ankunft in Paris. Der 22-Jährige fällt durch seine elegante Kleidung auf. Doch bei allem leicht elitär wirkenden Auftreten kommt der Italiener gut an und ist in Künstlerkreisen schnell akzeptiert.
 Ein bisschen schnöselig wirkt Amedeo Modigliani bei seiner Ankunft in Paris. Der 22-Jährige fällt durch seine elegante Kleidung auf. Doch bei allem leicht elitär wirkenden Auftreten kommt der Italiener gut an und ist in Künstlerkreisen schnell akzeptiert.
Bonjour, Paris!
Der Montmartre und die Bohème
Zweites Kapitel
 Spartanisch wohnt Amedeo Modigliani in Paris, von Anfang an will er ausschließlich von der Kunst leben. Die Mieten am Montmartre sind erschwinglich, im Atelier an der Rue Ravignan steht nur das Allernötigste. Der Galerist Paul Guillaume hat den Künstler im Jahr 1915 dort fotografiert.

Spartanisch wohnt Amedeo Modigliani in Paris, von Anfang an will er ausschließlich von der Kunst leben. Die Mieten am Montmartre sind erschwinglich, im Atelier an der Rue Ravignan steht nur das Allernötigste. Der Galerist Paul Guillaume hat den Künstler im Jahr 1915 dort fotografiert.

 Amedeo Modigliani wohnt in der Nähe von Picasso, verfolgt dessen Arbeit an den  Demoiselles d’Avignon  und ohnehin die Entwicklung hin zum Kubismus und den anderen Spielarten der Moderne.

Amedeo Modigliani wohnt in der Nähe von Picasso, verfolgt dessen Arbeit an den Demoiselles d’Avignon und ohnehin die Entwicklung hin zum Kubismus und den anderen Spielarten der Moderne.

 Die Skizze in blauer Tusche zeigt einen schmalen Frauenkörper, dessen Bewegung unmittelbar erfasst ist und darin den Aquarellen des Bildhauers Auguste Rodin ähnelt. 

Die Skizze in blauer Tusche zeigt einen schmalen Frauenkörper, dessen Bewegung unmittelbar erfasst ist und darin den Aquarellen des Bildhauers Auguste Rodin ähnelt. 

 Modigliani hat Leinwände oft mehrfach verwendet. Die eine Seite zeigt die Amerikanerin Leontine Phipps, die sich den Künstlernamen Maud Abrantès gab. Modigliani porträtiert die vom Morphium gezeichnete Freundin im Jahr 1908. 

Modigliani hat Leinwände oft mehrfach verwendet. Die eine Seite zeigt die Amerikanerin Leontine Phipps, die sich den Künstlernamen Maud Abrantès gab. Modigliani porträtiert die vom Morphium gezeichnete Freundin im Jahr 1908. 

 Auf der Vorderseite erinnert der bleiche  Akt mit Hut  an das künstlerische Umfeld auf dem Montmartre. 

Auf der Vorderseite erinnert der bleiche Akt mit Hut an das künstlerische Umfeld auf dem Montmartre. 

Mehr erfahren: Amedeo Modigliani, Akt mit Hut (recto) / Maud Abrantès (verso), 1908
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 Wenige Maler haben ihr künstlerisches Umfeld so ausgiebig porträtiert wie Modigliani. Den zehn Jahre jüngeren Chaïm Soutine aus dem damals russischen Belarus hält er gleich dreimal fest. Die beiden sind sich vom ersten Moment an sympathisch. Das mag auch mit den gemeinsamen jüdischen Wurzeln zu tun haben. Soutine wirkt auf dem kleinen Bildnis von 1915 hellwach und jungenhaft frech. 
 Wenige Maler haben ihr künstlerisches Umfeld so ausgiebig porträtiert wie Modigliani. Den zehn Jahre jüngeren Chaïm Soutine aus dem damals russischen Belarus hält er gleich dreimal fest. Die beiden sind sich vom ersten Moment an sympathisch. Das mag auch mit den gemeinsamen jüdischen Wurzeln zu tun haben. Soutine wirkt auf dem kleinen Bildnis von 1915 hellwach und jungenhaft frech. 
Freunde und Fremde
Lauter originelle Köpfe
Drittes Kapitel
 Der mexikanische Maler Diego Rivera hielt sich zwischen 1911 und 1921 wiederholt in Paris auf, wo er sich mit dem Kubismus auseinandersetzte. Modigliani war mit Rivera freundschaftlich verbunden und malte mehrere Bildnisse des Mexikaners. Nach intensiver Beschäftigung mit der Bildhauerei entstand 1914 als eines seiner ersten Gemälde dieses Portrait. 

Der mexikanische Maler Diego Rivera hielt sich zwischen 1911 und 1921 wiederholt in Paris auf, wo er sich mit dem Kubismus auseinandersetzte. Modigliani war mit Rivera freundschaftlich verbunden und malte mehrere Bildnisse des Mexikaners. Nach intensiver Beschäftigung mit der Bildhauerei entstand 1914 als eines seiner ersten Gemälde dieses Portrait. 

 Der Spanier Juan Gris war wie Modigliani 1906 nach Paris gekommen. Mit Pablo Picasso und Georges Braque entwickelt er den synthetischen Kubismus, der Modigliani allenfalls formale Anregungen liefert. Durch seinen geneigten Kopf, die langen Wimpern und feinen Gesichtszüge wirkt Gris auf dem Porträt von 1915 überraschend feminin und wie ein Pendant zu Modiglianis modernen Frauen mit kurzem Haar.

Der Spanier Juan Gris war wie Modigliani 1906 nach Paris gekommen. Mit Pablo Picasso und Georges Braque entwickelt er den synthetischen Kubismus, der Modigliani allenfalls formale Anregungen liefert. Durch seinen geneigten Kopf, die langen Wimpern und feinen Gesichtszüge wirkt Gris auf dem Porträt von 1915 überraschend feminin und wie ein Pendant zu Modiglianis modernen Frauen mit kurzem Haar.

 Zarte Anklänge an den Kubismus lässt das Porträt Moïse Kislings erkennen – die Perspektiven sind leicht verschoben. Der in Krakau aufgewachsene Sohn einer polnisch-jüdischen Familie ist 1910 in Paris eingetroffen und zählt bald zum näheren Kreis um Modigliani. Wie seine spätere Frau, die Malerin Renée Gros, trägt er einen Bubikopfschnitt mit Pony. Im Anzug und mit Krawatte verkörpern die beiden das moderne Künstlerpaar.

Zarte Anklänge an den Kubismus lässt das Porträt Moïse Kislings erkennen – die Perspektiven sind leicht verschoben. Der in Krakau aufgewachsene Sohn einer polnisch-jüdischen Familie ist 1910 in Paris eingetroffen und zählt bald zum näheren Kreis um Modigliani. Wie seine spätere Frau, die Malerin Renée Gros, trägt er einen Bubikopfschnitt mit Pony. Im Anzug und mit Krawatte verkörpern die beiden das moderne Künstlerpaar.

Mehr erfahren: Amedeo Modigliani, Moïse Kisling, 1915
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Exkurs: Modiglianis Frauen
 Das Portrait der  Victoria  genannten jungen Frau malte Modigliani über ein Bildnis von Beatrice Hastings. 

Das Portrait der Victoria genannten jungen Frau malte Modigliani über ein Bildnis von Beatrice Hastings. 

 Gedankenverloren wirkt die mädchenhafte Unbekannte. Das charakterisiert Modiglianis späte Frauen-Porträts. Mit ihrem Pagenkopf und der Krawatte zählt sie zu den typischen Vertreterinnen der  femme moderne . Womöglich handelt es sich um die Künstlerin Renée Kisling, die für diese Frisur und den Kleidungsstil bekannt war.
 Gedankenverloren wirkt die mädchenhafte Unbekannte. Das charakterisiert Modiglianis späte Frauen-Porträts. Mit ihrem Pagenkopf und der Krawatte zählt sie zu den typischen Vertreterinnen der  femme moderne . Womöglich handelt es sich um die Künstlerin Renée Kisling, die für diese Frisur und den Kleidungsstil bekannt war.
Moderne Amazonen
Die „femmes garçonnes“
Viertes Kapitel
 Hélène Joséphine Bernie Povolozky war aus Rennes nach Paris gekommen, um Künstlerin zu werden. Bestens vernetzt hat sie dann mit ihrem aus Russland emigrierten Ehemann die Werke der Avantgarde ausgestellt. Sie unterstützte Modigliani finanziell, der bedankte sich 1917 mit einem seiner besten Porträts. Es zeigt die Galeristin und Buchhändlerin mit melancholisch-kritischem Gesichtsausdruck – und in Männerkleidern sowie kurzem Bob. Povolozky könnte damit heute noch eine gute Figur machen. Unwillkürlich muss man an Picassos Bildnis seiner Mäzenin Gertrude Stein denken.

Hélène Joséphine Bernie Povolozky war aus Rennes nach Paris gekommen, um Künstlerin zu werden. Bestens vernetzt hat sie dann mit ihrem aus Russland emigrierten Ehemann die Werke der Avantgarde ausgestellt. Sie unterstützte Modigliani finanziell, der bedankte sich 1917 mit einem seiner besten Porträts. Es zeigt die Galeristin und Buchhändlerin mit melancholisch-kritischem Gesichtsausdruck – und in Männerkleidern sowie kurzem Bob. Povolozky könnte damit heute noch eine gute Figur machen. Unwillkürlich muss man an Picassos Bildnis seiner Mäzenin Gertrude Stein denken.

Mehr erfahren: Amedeo Modigliani, Elena Povolozky, 1917
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 Neben Amedeo Modigliani waren es nur wenige Kolleginnen, die auf ein neues Frauen-Bild gesetzt haben. Jeanne Mammen gehört dazu und auch Émilie Charmy. Üblich wurde das erst in den späten 1920er-Jahren im Zuge der Neuen Sachlichkeit. Mammen zeichnet um 1914 selbstbewusste Frauen in Männerkleidung oder zumindest mit Bobfrisur, wie das Beispiel aus ihrem Skizzenbuch demonstriert.

Neben Amedeo Modigliani waren es nur wenige Kolleginnen, die auf ein neues Frauen-Bild gesetzt haben. Jeanne Mammen gehört dazu und auch Émilie Charmy. Üblich wurde das erst in den späten 1920er-Jahren im Zuge der Neuen Sachlichkeit. Mammen zeichnet um 1914 selbstbewusste Frauen in Männerkleidung oder zumindest mit Bobfrisur, wie das Beispiel aus ihrem Skizzenbuch demonstriert.

 In ihrem Selbstbildnis zeigte sich die Künstlerin Émilie Charmy im Matrosenhemd. Wenngleich männlich konnotiert, diente es um die Jahrhundertwende auch als Kinderkleidung. Charmy brachte ihre Distanz zum traditionellen Frauenbild gleich doppelt zum Ausdruck: Als kindliche Frau distanzierte sie sich vom Rollenbild der Mutter. Mit maskuliner Aufmachung zeigte sie ihre emanzipierte Haltung.

In ihrem Selbstbildnis zeigte sich die Künstlerin Émilie Charmy im Matrosenhemd. Wenngleich männlich konnotiert, diente es um die Jahrhundertwende auch als Kinderkleidung. Charmy brachte ihre Distanz zum traditionellen Frauenbild gleich doppelt zum Ausdruck: Als kindliche Frau distanzierte sie sich vom Rollenbild der Mutter. Mit maskuliner Aufmachung zeigte sie ihre emanzipierte Haltung.

 Nur scheinbar keusch hüllt sich die junge Frau mit den leeren grauen Augen in ihr weißes Tuch – und gibt doch den Blick auf die Brust frei. Modigliani setzt den spät im Exil an der Côte d’Azur gemalten Halbakt in ein schlichtes, kaum bestimmbares Interieur, das den Ton der Augen auf die gesamte Wandfläche ausdehnt. Freilich mit grünen Nuancen und einem feinen Schattenspiel. Modigliani besucht in dieser Zeit den greisen Pierre-Auguste Renoir, zieht den Hut vor dem großen Vorbild und setzt doch andere Akzente. Zumal Renoir sein Personal nie kühn angeschnitten hätte wie der junge Kollege. 
 Nur scheinbar keusch hüllt sich die junge Frau mit den leeren grauen Augen in ihr weißes Tuch – und gibt doch den Blick auf die Brust frei. Modigliani setzt den spät im Exil an der Côte d’Azur gemalten Halbakt in ein schlichtes, kaum bestimmbares Interieur, das den Ton der Augen auf die gesamte Wandfläche ausdehnt. Freilich mit grünen Nuancen und einem feinen Schattenspiel. Modigliani besucht in dieser Zeit den greisen Pierre-Auguste Renoir, zieht den Hut vor dem großen Vorbild und setzt doch andere Akzente. Zumal Renoir sein Personal nie kühn angeschnitten hätte wie der junge Kollege. 
Modiglianis Akte
... und ein Skandal, der keiner war
Fünftes Kapitel
 Gedankenversunken und regelrecht verspielt malt Modigliani den  Liegenden Frauenakt mit verschlungenen Händen . Sich dehnend und rekelnd beansprucht die junge Frau allem Raum um sich herum. In ihrer Anmutung lässt sie an die  Schlafende Ariadne  denken, eine römische Kopie nach einem griechischen Original, die Modigliani 1900/01 in den Vatikanischen Museen gesehen hat.

Gedankenversunken und regelrecht verspielt malt Modigliani den Liegenden Frauenakt mit verschlungenen Händen. Sich dehnend und rekelnd beansprucht die junge Frau allem Raum um sich herum. In ihrer Anmutung lässt sie an die Schlafende Ariadne denken, eine römische Kopie nach einem griechischen Original, die Modigliani 1900/01 in den Vatikanischen Museen gesehen hat.

Mehr erfahren: Amedeo Modigliani, Liegender Frauenakt mit verschlungenen Händen, 1917
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 „Schau mir zuerst in die Augen“ – scheint dieser Blick zu fordern. Amedeo Modigliani musste nicht erst mit der Tradition brechen, um neue künstlerische Wege zu gehen. Der  Auf der Seite liegende Frauenakt  erinnert deutlich an Jean-Auguste-Dominique Ingres  Große Odaliske  aus dem Louvre in Paris. Doch bei Modigliani bestimmt die anonyme Nackte, wie es weitergeht.

„Schau mir zuerst in die Augen“ – scheint dieser Blick zu fordern. Amedeo Modigliani musste nicht erst mit der Tradition brechen, um neue künstlerische Wege zu gehen. Der Auf der Seite liegende Frauenakt erinnert deutlich an Jean-Auguste-Dominique Ingres Große Odaliske aus dem Louvre in Paris. Doch bei Modigliani bestimmt die anonyme Nackte, wie es weitergeht.

 Das nennt man einen Schlafzimmerblick. Dazu kommt samtig wärmendes Rot, das Modiglianis  Liegenden Frauenakt   auf weißem Kissen  verführerisch in Szene setzt. Der Künstler knüpft an die mythologisch verbrämten Darstellungen nackter Göttinnen an und dachte dabei sicher auch an Tizians  Venus von Urbino , die er aus den Uffizien in Florenz kannte. Mit dem augenfälligen Unterschied, dass ihre moderne „Wiedergeburt“ ganz irdisch mit Schamhaaren dargestellt ist. Es könnte sein, dass dieser 1917 gemalte Akt die Polizei alarmiert hat.

Das nennt man einen Schlafzimmerblick. Dazu kommt samtig wärmendes Rot, das Modiglianis Liegenden Frauenakt auf weißem Kissen verführerisch in Szene setzt. Der Künstler knüpft an die mythologisch verbrämten Darstellungen nackter Göttinnen an und dachte dabei sicher auch an Tizians Venus von Urbino, die er aus den Uffizien in Florenz kannte. Mit dem augenfälligen Unterschied, dass ihre moderne „Wiedergeburt“ ganz irdisch mit Schamhaaren dargestellt ist. Es könnte sein, dass dieser 1917 gemalte Akt die Polizei alarmiert hat.

 Eine sehr direkte Erotik, wie sie auch bei Modigliani zu finden ist, bevorzugen auch Paula Modersohn-Becker und Émilie Charmy in ihren Aktdarstellungen. Dazu kommen die Schambehaarung und markante Anschnitte, durch die die Frauen fast den gesamten Bildraum einnehmen und so die Spannung steigern. Modersohn-Beckers  Liegender weiblicher Akt  entstand bereits 1905/06 und damit kurz bevor Modigliani in Paris eintrifft.

Eine sehr direkte Erotik, wie sie auch bei Modigliani zu finden ist, bevorzugen auch Paula Modersohn-Becker und Émilie Charmy in ihren Aktdarstellungen. Dazu kommen die Schambehaarung und markante Anschnitte, durch die die Frauen fast den gesamten Bildraum einnehmen und so die Spannung steigern. Modersohn-Beckers Liegender weiblicher Akt entstand bereits 1905/06 und damit kurz bevor Modigliani in Paris eintrifft.

 Ernst Ludwig Kirchners  Akt auf blauem Grund  aus dem Jahr 1911 weist Parallelen zu den sitzenden Akten Modiglianis auf ...

Ernst Ludwig Kirchners Akt auf blauem Grund aus dem Jahr 1911 weist Parallelen zu den sitzenden Akten Modiglianis auf ...

 ... genauso August Mackes mit sich beschäftigter  Akt mit Korallenkette  von 1910.

... genauso August Mackes mit sich beschäftigter Akt mit Korallenkette von 1910.

Seine Bilder besitzen eine unendliche Würde und Vornehmheit. Man wird ihn ihnen nichts Gewöhnliches, Grobes oder Banales finden.

Der Maler Maurice de Vlaminck über Modigliani
Neue Modelle
Flucht in den Süden und ein tragisches Ende
Sechstes Kapitel
 In Südfrankreich arbeitet Modigliani in den Jahren 1917/18 oft parallel an mehreren Gemälden. Das  Mädchen in schwarzer Schürze  wirkt trotz seiner wissenden Melancholie kindlich, auch weil die Kleine mit ihren Händen nichts anzufangen weiß. Der lange Hals und der geneigte Kopf sind typisch für den Maler, und doch fühlt man sich an die Kinderbildnisse von Paula Modersohn-Becker erinnert. 

In Südfrankreich arbeitet Modigliani in den Jahren 1917/18 oft parallel an mehreren Gemälden. Das Mädchen in schwarzer Schürze wirkt trotz seiner wissenden Melancholie kindlich, auch weil die Kleine mit ihren Händen nichts anzufangen weiß. Der lange Hals und der geneigte Kopf sind typisch für den Maler, und doch fühlt man sich an die Kinderbildnisse von Paula Modersohn-Becker erinnert. 

 Jeannes kupferrotes Haar schmiegt sich wie ein Madonnenschleier um ihr geneigtes Gesicht, die hellblauen Augen blicken ins Leere. Modigliani stellt seine Gefährtin nie in Männerkleidung dar wie die zahlreichen  femme garçonnes  in seinem Werk. Ihr legerer Rollkragenpullover lässt dagegen an eine Studentin der 1960er oder 70er-Jahre denken. 

Jeannes kupferrotes Haar schmiegt sich wie ein Madonnenschleier um ihr geneigtes Gesicht, die hellblauen Augen blicken ins Leere. Modigliani stellt seine Gefährtin nie in Männerkleidung dar wie die zahlreichen femme garçonnes in seinem Werk. Ihr legerer Rollkragenpullover lässt dagegen an eine Studentin der 1960er oder 70er-Jahre denken. 

Mehr erfahren: Amedeo Modigliani, Jeanne Hébuterne im gelben Pullover, 1919
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Der Tod nahm ihn, als er zu Ruhm gelangte

auf Modiglianis Grabstein auf dem Friedhof Père Lachaise